Newsletter zur DAV Tagung

10.03.2010


Die DAV Tagung fand in diesem Jahr in Schladming-Rohrmoos (Österreich) statt. Beim Empfang mit reichhaltigem Buffet am Abend in der Erlebniswelt Rohrmoos konnte ich schon zahlreiche Kontakte knüpfen sowie interessante Gespräche führen. Insgesamt lebte diese Tagung von positiven Eindrücken und bemerkenswerten Beiträgen.Die Dav Tagung ist immer eine gute Plattform zur Kontaktpflege mit folgenden Ausstellern und zum Ausbau der weiteren Zusammenarbeit: Thuasne, Smith & Nephew, Tricolast NV, Tricon med, asclepios Medizintechnik, Julius Zorn, Integra NeuroSciences GmbH.

Besonders interessant waren die Referate von Prof. Dr. med. Robert Hiener, Dipl.-Psych. Sabine Ripper und Dipl.-Psych. Annika Seehausen. Der Vortrag von Prof. Dr. Hiener beinhaltete die Organisation eines multidisziplinären (einen Bereich umfassend) Narbenzentrums – Kernkompetenz von Kliniken mit Verbrennungseinheit. Folgende Schlussfolgerungen wurden daraus gezogen: „Durch die multidisziplinäre Behandlung von Narben und die Verteilung der flow-sheats hat sich die Aufmerksamkeit bezüglich einer verbesserten Narbenheilung an der Klinik deutlich erhöht. Neben der Prävention kommt der strukturierten postoperativen Narbentherapie (Narbenbehandlung nach einer Operation) die größte Bedeutung zu. Durch konsequente Drucktherapie kann eine hypertrophe (vergrößerte) Narbenbildung deutlich vermindert werden.“ Das vollständige Abstract findet Ihr im Forum/Mitgliederbereich.

Ein persönliches Gespräch am Rande dieses Vortrages mit Prof. Dr. Hiener, Universitätsklinikum Essen, war ebenfalls sehr aufschlussreich für mich. Er erklärte mir, dass die Ambulanzen in den Krankenhäusern meistens mit Assistenzärzten besetzt seien. „Ein Teil Ihrer Ausbildung ist die plastische Chirurgie somit also auch die Versorgung von Brandverletzten.“ Aufgrund Ihrer kurzen Berufserfahrung fehle Ihnen oft das nötige Hintergrundwissen. Zur adäquaten Kompression sei es seiner Meinung nach wichtig, dass ein Mediziner kontinuierlich in einer Ambulanz mit Brandverletzten arbeitet. Ein gutes Beispiel dazu sei die Würzburger Kinderklinik. Kinderkrankenschwester Gertrud Krenzer-Scheidemantel stellte ihre Arbeit zur Narbenkompression in einem Referat vor. So etwas wäre laut Prof. Hiener das Optimum. 

Frau Dipl.-Psych. Sabine Ripper stellte neue Ergebnisse der Multicenterstudie vor: „Die Vorhersage der Lebensqualität nach schweren Brandverletzungen und Beschreibung von Risikopatienten“ Schlussfolgerungen aus diesem Vortrag sind, dass die psychischen Faktoren Vitalität, Depression und Neurotizismus (Persönlichkeitsmerkmal in der Persönlichkeits- und Differenziellen Psychologie), aber auch die Selbsteinschätzung der körperlichen Mobilität für die Lebensqualität der Patienten und somit für den Rehabilitationsprozess eine wichtige Rolle spielen. „Eine hohe psychische Belastung nach dem Unfall ist ein häufig beobachtetes Phänomen. Patienten, die auch nach sechs Monaten kaum eine Besserung oder gar Verschlechterung der psychischen Befindlichkeit aufzeigen, weisen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit auf, sich auch in den kommenden Jahren in psychisch schlechter Gesundheit zu befinden. Es ist daher angezeigt, die Patienten mit voraussichtlich schlechtem Verlauf frühzeitig zu identifizieren und durch gezielte Interventionen (Eingriffe) einer Chronifizierung ihrer Beschwerden vorzubeugen.“

Aus diesem Ergebnis heraus ist es interessant welche Beobachtungen Dipl-Psych. Annika Seehausen in der Gruppentherapie, die derzeit an mehreren Zentren läuft, machte. Sie berichtete über die „Wirksamkeit einer kognitiv (erkennenden) verhaltenstherapeutischen Gruppentherapie für Brandverletzte“. Ihre Schlussfolgerungen sind: „Die verhaltenstherapeutische Gruppentherapie speziell für Brandverletzte erweist sich als wirksame Intervention zur Reduktion posttraumatischer (nach dem Trauma auftretende) Symptome. Es ist empfehlenswert, sie als zusätzliches Behandlungsmodul innerhalb eines interdisziplinären (mehrere Bereiche umfassenden) Versorgungsmodells dauerhaft zu implementieren, um den Rehabilitationsprozess von brandverletzten Patienten zu fördern.“

Interessant fand ich den Vortrag über Sir Archibald McIndoe ( *1900, + 1960 ) – Pionier der Behandlung schwerer Gesichts- und Handverbrennungen im II. Weltkrieg und sein „Guinea Pig Club“ in Großbritannien, den Dr. med Andreas Steinert vorstellte. Der Guinea Pig Club besteht immer noch als Hilfsorganisation für Brandverletzte und seine verbliebenen Mitglieder, 2003 noch über 200, treffen sich bis heute regelmäßig. Die Bedeutung von McIndoe für die chirurgische Behandlung von schweren Gesichts- und Handverbrennungen im Zweiten Weltkrieg besteht nicht nur in der Erprobung und Etablierung fortschrittlicher Methoden der Akutbehandlung und funktionellen Rekonstruktion, sondern vor allem in der Betonung der Wichtigkeit einer gesellschaftlichen Wiedereingliederung von Brandverletzten.

Das Referat unserer 1. Vorsitzenden Dipl. Pflegewirtin FH Petra Krause-Wloch über die Erfahrungen von Brandverletzten im Umgang mit der Kompressionsware fand ebenfalls großen Anklang. Tiefgradige Verbrennungen und Verbrühungen und die damit verbundenen Hauttransplantationen gehen oft mit Narbenbildung daher. Um sie zu vermeiden, ist das Tragen entsprechender Kompressionskleidung erforderlich. Eine Umfrage unter den Betroffenen bezüglich Problemen und Wünschen zu der Kompressionsware ergab Erstaunliches:Probleme entstanden z.B. beim Anziehen (Unbeweglichkeit der Jacke, fehlende Kraft, zu steife Kleidung). Besondere Wünsche wurden erstens an das Material (bessere Atmungsaktivität und Luftdurchlässigkeit, entsprechend der Jahreszeit unterschiedliche Kompressionsware) und zweitens an die bessere Ausbildung der Pflegekräfte und die bessere Beratung gestellt.

Im Rahmen des Galadiners konnte ich mich mit Dr. Reichert, Chefarzt des Brandverletztenzentrums Nürnberg gut austauschen. Er wies darauf hin, dass die VAC Therapie im Bundesausschuss noch nicht behandelt worden sei. Er riet mir darauf zu achten, dass dieses Thema nicht versandet. Er unterstützt unsere Arbeit gerne, vor allem wegen der Kombination von Ehrlichkeit und Wissen. Deshalb ist Dr. Reichert auch gerne bereit, nach dem beruflichen Ausscheiden von Dr. Steen, uns in unserem wissenschaftlichen Beirat zu unterstützen. Dr. Steen, der diese schöne DAV Tagung leitete, wird in absehbarer Zeit seinen wohlverdienten Ruhestand antreten.

Der Hüttenabend und auch das Galadiner rundeten das reichhaltige Programm in angenehmer Atmosphäre, bei gutem Essen ab. 

Petra Krause-Wloch