
Die DAV Tagung fand in diesem Jahr in Schladming-Rohrmoos (Österreich) statt. Beim Empfang mit reichhaltigem Buffet am Abend in der Erlebniswelt Rohrmoos konnte ich schon zahlreiche Kontakte knüpfen sowie interessante Gespräche führen. Insgesamt lebte diese Tagung von positiven Eindrücken und bemerkenswerten Beiträgen.Die Dav Tagung ist immer eine gute Plattform zur Kontaktpflege mit folgenden Ausstellern und zum Ausbau der weiteren Zusammenarbeit: Thuasne, Smith & Nephew, Tricolast NV, Tricon med, asclepios Medizintechnik, Julius Zorn, Integra NeuroSciences GmbH.
Besonders interessant waren die Referate von Prof. Dr. med. Robert Hiener, Dipl.-Psych. Sabine Ripper und Dipl.-Psych. Annika Seehausen. Der Vortrag von Prof. Dr. Hiener beinhaltete die Organisation eines multidisziplinären (einen Bereich umfassend) Narbenzentrums – Kernkompetenz von Kliniken mit Verbrennungseinheit. Folgende Schlussfolgerungen wurden daraus gezogen: „Durch die multidisziplinäre Behandlung von Narben und die Verteilung der flow-sheats hat sich die Aufmerksamkeit bezüglich einer verbesserten Narbenheilung an der Klinik deutlich erhöht. Neben der Prävention kommt der strukturierten postoperativen Narbentherapie (Narbenbehandlung nach einer Operation) die größte Bedeutung zu. Durch konsequente Drucktherapie kann eine hypertrophe (vergrößerte) Narbenbildung deutlich vermindert werden.“ Das vollständige Abstract findet Ihr im Forum/Mitgliederbereich.
Ein persönliches Gespräch am
Rande dieses Vortrages mit Prof. Dr. Hiener, Universitätsklinikum Essen, war
ebenfalls sehr aufschlussreich für mich. Er erklärte mir, dass die
Ambulanzen in den Krankenhäusern meistens mit Assistenzärzten besetzt seien.
„Ein Teil Ihrer Ausbildung ist die plastische Chirurgie somit also auch die
Versorgung von Brandverletzten.“ Aufgrund Ihrer kurzen Berufserfahrung fehle
Ihnen oft das nötige Hintergrundwissen. Zur adäquaten Kompression sei es seiner
Meinung nach wichtig, dass ein Mediziner kontinuierlich in einer Ambulanz mit Brandverletzten
arbeitet. Ein gutes Beispiel dazu sei
die Würzburger Kinderklinik. Kinderkrankenschwester Gertrud
Krenzer-Scheidemantel stellte ihre Arbeit zur Narbenkompression in einem
Referat vor. So etwas wäre laut Prof. Hiener das Optimum.
Frau Dipl.-Psych. Sabine
Ripper stellte neue Ergebnisse der Multicenterstudie vor: „Die Vorhersage der
Lebensqualität nach schweren Brandverletzungen und Beschreibung von
Risikopatienten“ Schlussfolgerungen aus diesem Vortrag sind, dass die
psychischen Faktoren Vitalität, Depression und Neurotizismus (Persönlichkeitsmerkmal
in der Persönlichkeits- und
Differenziellen Psychologie), aber auch die Selbsteinschätzung der
körperlichen Mobilität für die Lebensqualität der Patienten und somit für den
Rehabilitationsprozess eine wichtige Rolle spielen. „Eine hohe psychische
Belastung nach dem Unfall ist ein häufig beobachtetes Phänomen. Patienten, die
auch nach sechs Monaten kaum eine Besserung oder gar Verschlechterung der
psychischen Befindlichkeit aufzeigen, weisen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit
auf, sich auch in den kommenden Jahren in psychisch schlechter Gesundheit zu
befinden. Es ist daher angezeigt, die Patienten mit voraussichtlich schlechtem
Verlauf frühzeitig zu identifizieren und durch gezielte Interventionen (Eingriffe) einer Chronifizierung ihrer
Beschwerden vorzubeugen.“
Aus diesem Ergebnis heraus ist es interessant welche Beobachtungen Dipl-Psych. Annika Seehausen in der Gruppentherapie, die derzeit an mehreren Zentren läuft, machte. Sie berichtete über die „Wirksamkeit einer kognitiv (erkennenden) verhaltenstherapeutischen Gruppentherapie für Brandverletzte“. Ihre Schlussfolgerungen sind: „Die verhaltenstherapeutische Gruppentherapie speziell für Brandverletzte erweist sich als wirksame Intervention zur Reduktion posttraumatischer (nach dem Trauma auftretende) Symptome. Es ist empfehlenswert, sie als zusätzliches Behandlungsmodul innerhalb eines interdisziplinären (mehrere Bereiche umfassenden) Versorgungsmodells dauerhaft zu implementieren, um den Rehabilitationsprozess von brandverletzten Patienten zu fördern.“
Interessant fand ich den Vortrag über Sir Archibald McIndoe ( *1900, + 1960 ) – Pionier der Behandlung schwerer Gesichts- und Handverbrennungen im II. Weltkrieg und sein „Guinea Pig Club“ in Großbritannien, den Dr. med Andreas Steinert vorstellte. Der Guinea Pig Club besteht immer noch als Hilfsorganisation für Brandverletzte und seine verbliebenen Mitglieder, 2003 noch über 200, treffen sich bis heute regelmäßig. Die Bedeutung von McIndoe für die chirurgische Behandlung von schweren Gesichts- und Handverbrennungen im Zweiten Weltkrieg besteht nicht nur in der Erprobung und Etablierung fortschrittlicher Methoden der Akutbehandlung und funktionellen Rekonstruktion, sondern vor allem in der Betonung der Wichtigkeit einer gesellschaftlichen Wiedereingliederung von Brandverletzten.
Das Referat unserer 1. Vorsitzenden Dipl. Pflegewirtin FH Petra Krause-Wloch über die Erfahrungen von Brandverletzten im Umgang mit der Kompressionsware fand ebenfalls großen Anklang. Tiefgradige Verbrennungen und Verbrühungen und die damit verbundenen Hauttransplantationen gehen oft mit Narbenbildung daher. Um sie zu vermeiden, ist das Tragen entsprechender Kompressionskleidung erforderlich. Eine Umfrage unter den Betroffenen bezüglich Problemen und Wünschen zu der Kompressionsware ergab Erstaunliches:Probleme entstanden z.B. beim Anziehen (Unbeweglichkeit der Jacke, fehlende Kraft, zu steife Kleidung). Besondere Wünsche wurden erstens an das Material (bessere Atmungsaktivität und Luftdurchlässigkeit, entsprechend der Jahreszeit unterschiedliche Kompressionsware) und zweitens an die bessere Ausbildung der Pflegekräfte und die bessere Beratung gestellt.
Im Rahmen des Galadiners konnte ich mich mit Dr. Reichert, Chefarzt des Brandverletztenzentrums Nürnberg gut austauschen. Er wies darauf hin, dass die VAC Therapie im Bundesausschuss noch nicht behandelt worden sei. Er riet mir darauf zu achten, dass dieses Thema nicht versandet. Er unterstützt unsere Arbeit gerne, vor allem wegen der Kombination von Ehrlichkeit und Wissen. Deshalb ist Dr. Reichert auch gerne bereit, nach dem beruflichen Ausscheiden von Dr. Steen, uns in unserem wissenschaftlichen Beirat zu unterstützen. Dr. Steen, der diese schöne DAV Tagung leitete, wird in absehbarer Zeit seinen wohlverdienten Ruhestand antreten.
Der Hüttenabend und auch das
Galadiner rundeten das reichhaltige Programm in angenehmer Atmosphäre, bei
gutem Essen ab.
Petra Krause-Wloch